Der Tod des Amateurfußballs????

In der neuesten Ausgabe des NFV-Journals berichtet der Vorsitzende des Niedersächsischen Fußballverbandes, Herr Karl Rothmund, über die Änderungen der Anstoßzeiten in der 1. Bundesliga ab der Saison 2009/2010 (ein Spiel beginnt bereits um 15:30 Uhr).

Wir veröffentlichen hier einmal das komplette Vorwort des Herrn Rothmund, der eigentlich als Präsident und Vertreter der Fußballvereine in ganz Niedersachsen auftritt, was an dieser Stelle jedoch stark bezweifelt werden muss:

Die Problematik der Sonntagsspiele der 1. und 2. Bundesliga wird schon seit längerem kotrovers diskutiert. Mit dem neuen Spielplanentwurf der DFL für die Saison 2009/2010 hat die Schärfe der Worte bei den Kritikern noch mal zugenommen. Es geht in erster Linie um das dritte Sonntagspiel der Bundesliga, das demnächst um 15:30 Uhr angepfiffen wird. Da ist sogar vom Untergang des Amateurfußballs die Rede.

Ich kann die große Aufregung nicht verstehen, sondern plädiere für eine sachliche Auseinandersetzung. Eines vorweg: Ich halte den gefundenen Kompromiss für fair, mit dem die Amateurvereine gut leben können. Die DFL unter Führung des Präsidenten Reinhard Rauball ist mit der neuen Spielverteilung der 1. und 2. Liga am Sonntag dem Amateurfußball sogar entgegengekommen. Denn die Zahl der Zweitligabegegnungen wird von fünf auf drei reduziert. Und um 17:30 Uhr findet in der Regel nach dem 15:30 Uhr-Spiel nur noch eine weitere Begegnung statt. Lediglich in den Wochen, in denen UEFA-Cup-Spiele anstehen, könnte fünf Mal pro Saison ein weiteres Bundesligaspiel sonntags um 17:30 Uhr angesetzt werden.

Wichtig wird auch in Zukunft sein, dass sich die Vertreter des Profi- und Amateurfußballs als Partner verstehen, die beide voneinander profitieren. Wir dürfen eines nicht vergessen: Die Amateurklubs erhalten über den Deutschen Fußball-Bund hohe wirtschaftliche Transferleistungen aus dem Profibereich. Von einer international wettbewerbsfähigen Liga profitiert auch die Nationalmannschaft. Und Einnahmen aus diesem Bereich fließen unter anderem in den Amateurbereich. Also sitzen wir alle in einem Boot, mag das auch noch so abgedroschen klingen.

Die Amateurvereine leisten sozial wie sportlich unverzichtbare Grundlagenausbildung für Mädchen und Jungen. Die Vertreter der DFL wissen die Basisarbeit zu schätzen. Der Leistungsaustausch zwischen Amateur- und Profiklubs funktioniert. Allerdings erfordert das Zusammenspiel auch eine große Flexibilität der Spielplangestalter.

Ich möchte das an einem Beispiel festmachen: Wenn Hannover 96 am Sonntag um 15:30 Uhr ein Heimspiel hat, dann müssen vor allem die Spielansetzer und Vereine in der Region Hannover reagieren und kurzfristig Begegnungen auf einen anderen Termin verlegen. Das müsste doch möglich sein. Andererseits wäre es auch wünschenswert, wenn die Ansetzungen der 1. und 2. Bundesliga so früh wie möglich erfolgen. Das ist aufgrund der Europapokal-Einsätze vieler deutscher Klubs aber nur schwer umsetzbar.

Wer allerdings von einem Schlag gegen den Amateurfußball spricht, heizt nur die Emotionen an. Noch mal: Ich halte den gefundenen Kompromiss für akzeptabel. Dass zu Amateurfußballspielen immer weniger Zuschauer kommen, hat viel mehr etwas mit dem veränderten Freizeitverhalten in unserer Gesellschaft zu tun. Die Konkurrenz anderer Sportanbieter wird immer größer. Wir müssen in Zukunft für unseren Amateurfußball wieder verstärkt werben. Denn auch auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene wird unterhaltsamer Fußball geboten.

 

Karl Rothmund (Präsident) 

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